KOSTÜMBILD
HOLGER BÜSCHER
Perspektive
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Ein gelungener Film resultiert aus dem Zusammenspiel vieler Teile.
Einer davon ist das Kostümbild — Dialog in Form von Kleidung.
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Neben Aspekten wie sozialer Herkunft und aktuellem Status nimmt der Zuschauer auch Charaktereigenschaften und seelische Zustände unbewusst über das Kostüm wahr. Zur passiven Kommunikationsebene der Kleidung selbst addiert sich die Individualität der Schauspielerinnen und Schauspieler, die mit dem Anlegen des Kostüms eine Interpretation einer Figur finden. Dadurch beginnt die Inszenierung — so kann etwas Einzigartiges entstehen.
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Mein Stil ist geprägt von einer Mischung aus präziser Beobachtung des Alltäglichen und einer Freude an Gestaltung im Bild. Kostüme sind für mich Erzählmittel, die psychologische Facetten verstärken und Figuren wahrhaftig im jeweiligen Genre und Setting verankern.
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Arbeitsweise
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Die Vision einer Regisseurin oder eines Regisseurs zu verstehen, ist der Beginn meiner Arbeit.
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Durch mein Gespür für Menschen und Situationen sowie meinen Sinn für Stil, Textur und Farbe lade ich die Bildidee weiter auf — visualisiere diese in Form von Moods. Während dieses Prozesses beziehe ich die Artdepartments: Kamera, Szenenbild und Maskenbild, mit ein, um einer gemeinsamen Vision zu folgen.
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Der erzählerische Wert jedes Kleidungsstücks und Accessoires wird bewusst von mir ausgesucht, und die Idee zu einem Charakter wird den Schauspielerinnen und Schauspielern in Anproben nahegebracht. Mit Feingefühl achte ich darauf, ob eine Rolle in dem Kostüm ankommt, denn nur so wird die Inszenierung authentisch.
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Eine Lebendigkeit verleihe ich meinen Kostümen durch gezielte Details, das Entwickeln von charakteristischen Eigenheiten der Figur und Patinierungen. Erst in dieser organischen Verbindung entsteht ein Dialog zwischen Kostüm, Schauspieler und Zuschauer — ein stilles Gespräch über Identität, Zeit und die Wahrheit des Moments.
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Werdegang
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Mit großer Neugier sowie Beharrlichkeit und meiner präzisen Beobachtungsgabe, habe ich mich seit 2001 in die Welt von Film- und Fernsehproduktionen hineingearbeitet. Jede Produktion diente mir als Lernfeld, und diese Herangehensweise ermöglicht es mir, flexibel zu denken, neue Perspektiven einzunehmen und kreative Lösungen zu entwickeln.
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Aus eigener Initiative heraus, begann ich mit einem Praktikum im Kostümdepartment, setzte mich mit Silhouetten, Material- und Farblehre sowie der Wirkung von Kostümen auf Charakterentwicklung auseinander. Mein Interesse am Design wurzelt in meinem Elternhaus, Mutter wie Vater waren im Bereich Inneneinrichtung selbstständig und prägten meinen Sinn für Form, Farbe und Atmosphäre entscheidend.
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Schritt für Schritt wuchs aus meinen Erfahrungen am Set und den ersten Assistenzen die Grundlage für eine professionelle Laufbahn als Kostümbildner für Film und Fernsehen. Ohne klassischen Studienweg habe ich meine eigene Bildsprache und Methodik geformt, eine Verbindung aus handwerklicher Präzision, einem gestalterischem Feingefühl und einem tiefen Verständnis für Figuren, Stoffe und Stimmungen.
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Photo: Milad Raha - Tirana Albanien
Photo: Miguel Alexandre - "Tatort - Der Stelzenmann"
